LEOPARD Studie
Studiencode
LEOPARD trial
DRKS Registrierung
DRKS00038651
Finanzierung
Emmy-Noether Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Studientitel
Niedriger vs hoher positiv endexspiratorischer Druck während der respiratorischen Stabilisierung von sehr frühgeborenen Kindern direkt nach der Geburt - die LEOPARD Studie
Studiendesign
Randomisierte, kontrollierte, multizentrische Studie mit zwei parallelen Gruppen
Einschlusskriterien
1) Sehr frühgeborene Säuglinge (22 0/7 bis 31 6/7 Schwangerschaftswochen bei der Geburt)
Ausschlusskriterien
1) für die Palliativversorgung vorgesehen, 2) nicht im rekrutierenden Zentrum geboren (extern geboren), 3) schwere angeborene Fehlbildung, die die anfängliche Atemwegsversorgung nach der Geburt beeinträchtigt, 4) verweigerte elterliche Einwilligung
Interventions- und Kontrollgruppe
Die Säuglinge werden unmittelbar vor der Geburt randomisiert. Nach der Platzierung des Säuglings auf einem Reanimationsbett wird ein positiver endexspiratorischer Druck (PEEP; +/- nichtinvasive Überdruckbeatmung – NIPPV) angelegt. Die Interventions- und Kontrollgruppe erhalten unterschiedliche PEEP-Werte:
- Intervention: Hoher PEEP (10–12 mbar) während der ersten zehn Minuten nach der Geburt.
- Kontrollgruppe: Niedriger PEEP (Standardversorgung, 5–7 mbar) während der ersten zehn Minuten nach der Geburt.
Die Spitzeninspirationsdrücke (PIP) und die Frequenz während der NIPPV sowie alle anderen Interventionen liegen im Ermessen des behandelnden Arztes. Nach zehn Minuten kann der PEEP-Wert vom behandelnden Arzt frei angepasst werden.
Primärer Endpunkt
Der primäre Endpunkt ist ein hierarchisches Ergebnis, d. h. das „Desirability of Outcome Ranking“ (DOOR) einschließlich des „Response Adjusted for Duration of Respiratory Support“ (RADIO), das als Entscheidungskriterium bei Gleichstand herangezogen wird (DOOR/RADIO-Ansatz). Die Ergebnisse werden nach 44 Wochen PMA bewertet.
- Rang 6) Verstorben
- Rang 5) Am Leben mit beiden der folgenden schweren Morbiditäten: mittelschwere/schwere BPD und schwere Hirnläsion (IVH ≥ III°, cPVL, jede Kleinhirnblutung, jeder Ventrikelschunt/Reservoir)
- Rang 4) Am Leben mit einer schweren Morbidität (Liste siehe oben)
- Rang 3) Am Leben ohne schwerwiegende Morbiditäten, aber mit einer der folgenden mittelschweren Morbiditäten: Summe der Stunden invasiver mechanischer Beatmung ≥ 72 Stunden innerhalb der ersten sieben Tage oder IVH I/II° oder Pneumothorax, der eine Drainage erfordert
- Rang 2) Am Leben ohne schwerwiegende oder mittelschwere Morbiditäten, aber mit Atemversagen in den ersten 72 Stunden
- Rang 1) Am Leben und wohlauf (keine der oben genannten)
Sekundärer Endpunkt
Sterblichkeit, jede schwere Hirnläsion, schwere intraventrikuläre Hämorrhagie (IVH), jede IVH, zystische periventrikuläre Läsion (PVL), Notwendigkeit eines Ventrikelschunts/Reservoirs, Kleinhirnblutung, mittelschwere/schwere bronchopulmonale Dysplasie (BPD), Pneumothorax mit Drainage, Notwendigkeit einer invasiven mechanischen Beatmung, Atemversagen innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Geburt, Gesamtdauer der Atemunterstützung, Notwendigkeit einer Intensivierung der Atemunterstützung im Kreißsaal
LEOPARD Studie
Säuglinge unter 32 Wochen benötigen nach der Geburt eine Atemunterstützung, um eine funktionelle Residualkapazität (FRC) aufzubauen und aufrechtzuerhalten und einer Hypoxämie vorzubeugen. In der Regel werden Säuglinge zunächst mittels kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck (CPAP) unterstützt, der einen positiven endexspiratorischen Druck (PEEP) erzeugt und so einen Alveolarkollaps verhindert. Leitlinien zur Neugeborenen-Reanimation empfehlen einen anfänglichen PEEP von mindestens 5–6 mbar, wobei höhere Drücke zulässig sind. Diese Empfehlung ist größtenteils auf unzureichende Daten zu höheren Anfangsdrücken zurückzuführen. Die Druckwerte variieren jedoch stark, wobei einige Zentren weltweit bereits mit Werten von 15–20 mbar beginnen. Der anfängliche Druckwert für sehr frühgeborene Säuglinge unmittelbar nach der Geburt ist nach wie vor Gegenstand kontroverser Debatten, und hinsichtlich des gewählten Wertes besteht klinische Unsicherheit. Diese Studie wird aussagekräftige Erkenntnisse über die Auswirkungen der gewählten Druckwerte liefern.
Jüngere kleinere Studien zeigten eine verbesserte spontane Atembemühung sowie eine verbesserte physiologische Stabilität bei höheren Drücken und keine Sicherheitsbedenken bei einem höheren Druck. Der richtige anfängliche Wert des positiven distendierenden Drucks während der neonatalen Stabilisierung nach der Geburt ist nach wie vor unbekannt. Diese Studie wird anhand einer großen Stichprobe aussagekräftige Erkenntnisse über die Auswirkungen eines höheren anfänglichen Druckwerts auf ein klinisch wichtiges Ergebnis liefern, wobei der DOOR-Ansatz (Desirability of Outcomes Ranking) verwendet wird.
Traditionell werden in klinischen Studien der Neonatologie zusammengesetzte Endpunkte wie das Überleben ohne bronchopulmonale Dysplasie verwendet. Eltern- und Patienteninitiativen haben diesen Ansatz jedoch kritisiert, da er den Tod mit einer chronischen Lungenerkrankung gleichsetzt. Kürzlich haben Statistiker und Spezialisten für Infektionskrankheiten den DOOR-Ansatz (Desirability Of Outcome Ranking) vorgeschlagen, bei dem dichotome Endpunkte entsprechend ihrer Bedeutung für Familien und Pflegepersonen eingestuft werden. Der DOOR-Ansatz wurde bislang noch nicht in prospektiven Studien an der neonatalen Population umgesetzt. In Zusammenarbeit mit Elternvertretern haben wir eine Rangfolge von Endpunkten entwickelt, die zwischen gesunden Säuglingen und Säuglingen mit unterschiedlichem Schweregrad an Morbidität sowie dem Tod variiert (Desirability Of Outcome Ranking, DOOR). Die Rangfolge spiegelt die relative Bedeutung der Endpunkte für die betroffenen Familien wider. Dies ist die erste Studie, die diesen neuartigen Ansatz in einer prospektiven Studie an der neonatalen Population umsetzt.
Koordinierendes Studienteam
Koordinierender Projektleiter
Vincent D. Gaertner, MD BSc
Lindwurmstr. 4
80337 Munich
089-4400-57783
Lokale Wissenschafter*innen
Universitätsspital Zürich: PD Dr. Christoph Rüegger (Swiss PI), christoph.rueegger@usz.ch
Universitätsklinikum Tübingen: Prof. Dr. Laila Springer, laila.springer@med.uni-tuebingen.de
Universitätsklinikum Erlangen: Prof. Dr. Heiko Reutter, heiko-reutter@uk-erlangen.de
Universitätsklinikum Dresden: Prof. Dr. Mario Rüdiger, mario.ruediger@ukdd.de
Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Kinder-Universitätsklinik Ostbayern: Prof. Dr. Sven Wellmann, sven.wellmann@barmherzige-regensburg.de
The Royal Women’s Hospital Melbourne: Prof. Dr. Louise Owen: louise.owen@thewomens.org.au
Datenmanagement and Statistiker*in
Data Management: Prof. Dr. Axel Franz, Center for Pediatric Clinical Studies Tübingen: axel.franz@med.uni-tuebingen.de
Statistician: Dr. Corinna Engel, Center for Pediatric Clinical Studies Tübingen: corinna.engel@med.uni-tuebingen.de
Vielen Dank für Ihr Interesse an der LEOPARD-Studie.
Diese Studie schließt Kinder ein, die sehr frühgeboren sind und direkt nach der Geburt Atemunterstützung benötigen. Wir hoffen, dass die FAQs (Frequently Asked Questions) Ihre Fragen beantworten können.
Wenn Sie die Information hier nicht finden können, dann kontaktieren Sie uns gerne.
FAQs
Das Forschungsprojekt untersucht die Wirksamkeit von einem höheren Atemwegsdruck (10-12 Zentimeter Wassersäule, cmH2O) für sehr frühgeborene Kinder direkt nach der Geburt und vergleicht es mit einem niedrigeren Atemwegsdruck (aktueller Standard, 5-7 cmH2O).
Alle sehr frühgeborenen Kinder erhalten eine Atemunterstützung in Form von positivem Luftdruck direkt nach der Geburt, um die Lunge offen zu halten. Aktuell wird hierfür empfohlen, initial einen Luftdruck von mindestens 5-6 cmH2O zu verwenden. Allerdings sind auch höhere Druckniveaus durch die Leitlinien abgedeckt und es gibt keine eindeutigen Beweise, welches Druckniveau für Frühgeborene das effektivste und sicherste ist. Daher wird es weltweit sehr unterschiedlich gehandhabt. Aus Tierstudien und kleineren klinischen Studien gibt es aber Hinweise, dass ein höheres Druckniveau womöglich die Spontanatmung des Kindes verbessern könnte. Letztendlich könnte durch einen höheren Atemwegsdruck der Sauerstoffgehalt im Blut des Kindes erhöht werden, wodurch das Kind womöglich keine invasive Atemunterstützung mit maschineller Beatmung benötigt. Eine Verhinderung der maschinellen Beatmung wiederum könnte die Kinder vor einer chronischen Lungenerkrankung bewahren, welche typischerweise bei sehr kleinen und unreifen Frühgeborenen auftritt.
Die Studie wird für Frühgeborene mit einem Schwangerschaftsalter zwischen 22 und 32 Wochen bei Geburt angeboten, die keine angeborenen Fehlbildungen haben und nicht palliativ versorgt werden.
Die Intervention (höheres vs niedrigeres Druckniveau) findet nur für die ersten 10 Minuten nach der Geburt statt. Weitere klinische Daten werden bis zur Entlassung nach Hause erhoben.
Für die Studie werden Daten Ihres Kindes (z.B. allgemeine Daten wie Geburtsgewicht oder klinischer Verlauf, die in unserer Klinik standardmäßig bei der Erstversorgung erhoben werden), sowie mütterliche Angaben zum Schwangerschaftsverlauf verwendet. Alle diese Daten werden standardmäßig bei allen Frühgeborenen erfasst.
Im Rahmen dieser Studie, die in mehreren Zentren international durchgeführt wird, wird ein höheres mit einem niedrigeren Druckniveau für die Atemunterstützung von sehr frühgeborenen Kindern verglichen. Welche der Behandlungen Ihr Kind im Falle einer Teilnahme erhält, entscheidet ein zuvor festgelegtes Zufallsverfahren, vergleichbar mit dem Werfen einer Münze; dieses wird Randomisierung genannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind das höhere oder niedrigere Druckniveau bekommt, beträgt jeweils 50%. Nach den ersten 10 Minuten nach Geburt wird die Behandlung in beiden Gruppen gleich, daher nach unserem klinischen Standard, fortgeführt.
Diese Studie ist nicht verblindet. Das bedeutet, dass das behandelnde Team weiß, welche Behandlung durchgeführt wurde. Dieses Projekt wird so durchgeführt wie es die Gesetze in allen teilnehmenden Ländern (Deutschland, Schweiz) vorschreiben. Die zuständigen Ethikkommissionen haben dieses Projekt geprüft und bewilligt.
Es gibt bisher keinen nachgewiesenen Nutzen für Ihr Kind. Die Teilnahme Ihres Kindes kann zu einer Verbesserung der zukünftigen Behandlung von Frühgeborenen beitragen.
Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Wenn Ihr Kind nicht mitmacht oder Sie als Eltern später die Teilnahme zurückziehen wollen, muss dies nicht begründet werden. Die medizinische Behandlung/Betreuung Ihres Kindes ist unabhängig von diesem Entscheid gewährleistet. Es dürfen jederzeit Fragen zur Teilnahme und zum Projekt gestellt werden. Wenden Sie sich dazu bitte an die Person, die unter Kontakt.
Es gibt keine studienbedingten Pflichten.
Es ist theoretisch denkbar, dass ein höherer Atemwegsdruck mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für ein kleines Luftleck in der Lunge (Pneumothorax) und mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Hirnblutung einhergehen könnte. Bisher durchgeführte, auch große Studien zeigen aber kein solches Risiko und die hier verwendeten Druckniveaus sind im Rahmen der von den Leitlinien empfohlenen Druckniveaus. Insgesamt sind nach aktuellem Wissenstand durch die Behandlung von Frühgeborenen mit einem höheren Druckniveau während der ersten 10 Minuten nach Geburt, in dem Bereich wie es in dieser Studie untersucht wird, keine Nebenwirkungen bekannt. Es gibt möglicherweise Risiken, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt sind.
Das Studienteam wird Sie als Eltern stellvertretend über alle neuen Erkenntnisse informieren, die den Nutzen oder die Sicherheit und somit die Einwilligung zur Teilnahme beeinflussen können. Sie können nach Abschluss der Studie / Veröffentlichung der Daten beim Studienteam nach einer Laienzusammenfassung anfragen oder auf folgender Seite https://www.drks.de/search/de (Stichwort “LEOPARD”) danach suchen.
In dieser Studie werden persönliche und medizinische Daten von Ihrem Kind erfasst. Diese Daten werden nur teilweise verschlüsselt, d.h. der Name Ihres Kindes wird verschlüsselt, das Geburtsdatum wird für die Datenanalyse jedoch benötigt. Verschlüsselung bedeutet, dass Bezugsdaten, die Ihr Kind identifizieren könnten (z.B. Name), gelöscht und durch einen Schlüssel (Code) ersetzt werden. Diese Codeliste wird beim Prüfarzt aufbewahrt. Den Fachleuten (Statistiker, durchführende Forschende) sind zur wissenschaftlichen Auswertung nur verschlüsselte Daten zugänglich. Spezielle Fachleute (Monitore) können im Rahmen von Qualitätskontrollen die Durchführung der Studie überprüfen. Diese können über Ihren Studienarzt Einsicht in die nicht codierten Krankengeschichten nehmen. Während der ganzen Studie und bei den erwähnten Kontrollen wird die Vertraulichkeit aber stets strikt gewahrt. Der Name Ihres Kindes wird in keiner Weise in Berichten oder Publikationen, die aus der Studie hervorgehen, veröffentlicht.
Ja, Sie können entscheiden, dass Ihr Kind jederzeit von der Studie zurücktritt und nicht mehr teilnimmt. Bis dahin erhobene Daten werden noch ausgewertet. Nach der Auswertung werden die Daten vollständig anonymisiert, d.h. die Verschlüsselungszuordnung wird vernichtet, so dass danach niemand mehr erfahren kann, dass die Daten ursprünglich von Ihrem Kind stammten. Blut- und Urinproben werden zu diesem Zeitpunkt entsorgt, falls nicht vorher schon geschehen.
Die in diesem Informationsschreiben erwähnten studienspezifischen Untersuchungen sind kostenlos. Weder Ihnen noch ihrer Krankenkasse entstehen im Zusammenhang mit der Teilnahme zusätzliche Kosten.
Für die Teilnahme an dieser klinischen Studie erhalten Sie keine Entschädigung.
Diese Studie wird aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.
Kontakt
Vincent D. Gaertner, MD BSc
Principal Investigator